SBOMs & Komponenten
Jede Produktversion trägt eine aktive SBOM. Sie ist das Rohmaterial für alles Weitere: das Komponenteninventar, die flottenweite Schwachstellen-Korrelation sowie die Evidenz- und Dokumentationsfunktionen.
SBOM hochladen
Abschnitt betitelt „SBOM hochladen“Laden Sie an einer Produktversion eine CycloneDX-JSON- (v1.4–1.6) oder SPDX-JSON-Datei (v2.2/2.3) hoch. Das Format wird aus dem Dokument selbst erkannt — Sie wählen nie eines aus. Nicht erkennbare oder nicht parsbare Inhalte werden mit einer Fehlermeldung abgelehnt statt halb eingelesen.
Resilic liest das Dokument in Komponenten ein: Name, Version, Package-URL (PURL), CPE, Lieferant und,
wenn eine Eigenschaft sie trägt (resilic:orderNumber, orderNumber, mlfb), die Bestellnummer des
Herstellers,
soweit die SBOM sie liefert. Eine neue SBOM für dieselbe Version ersetzt die vorherige — es
gibt genau eine aktive SBOM je Version.
Die Version als Maschine lesen
Abschnitt betitelt „Die Version als Maschine lesen“Aufgeklappt zeigt eine Version ihre Komponenten nach dem, was sie in der Maschine tun: Steuerungen, Antriebe, Kameras und Sensorik, HMI und Industrie-PCs, E/A, Netzwerk, weitere Geräte, Firmware sowie Software und Bibliotheken. Die Gruppe ergibt sich aus der Rolle, die beim Auslieferungsstand bestätigt wurde, sonst aus dem Komponententyp der SBOM.
Jede Zeile nennt Namen in der gelieferten Schreibweise, Version oder Firmware, die Bestellnummer des Herstellers, den Hersteller und die Herkunft: Gescannt (vom Edge-Scanner im Maschinennetz beobachtet), Hochgeladen, Lieferant, Manuell, Plattform oder Auslieferungsstand. Hat eine Komponente in dieser Version offene Schwachstellen-Treffer, steht ihre Zahl dahinter; ein roter Punkt heißt, darunter ist eine aktiv ausgenutzte. Bei größeren Listen sucht ein Feld über Name, Firmware, Hersteller und Bestellnummer; Leerzeichen in Bestellnummern spielen keine Rolle.
Eigene Software
Abschnitt betitelt „Eigene Software“Was Sie selbst liefern, sieht weder ein Scanner noch eine Lieferanten-SBOM: das SPS-Programm, das HMI-Projekt, das Roboterprogramm. Unter Eigene Software erfassen Sie es je Version mit Name, Version und dem Gerät, auf dem es läuft. Die Einträge gehören zur Version, nicht zur SBOM: Eine neue SBOM oder ein übernommener Auslieferungsstand lässt sie unberührt. In jede As-built-SBOM der Maschinen dieser Version schreibt Resilic sie als Komponenten vom Typ application mit Ihnen als Lieferant, sodass sie in Exporten und in der SBOM eines Sonderprodukts stehen.
PC-Software
Abschnitt betitelt „PC-Software“Industrie-PCs tragen oft den größten Teil der Software einer Anlage: Windows, TIA Portal, WinCC, OPC-Server, Datenbanken. Über das Netzwerk ist davon nichts zu sehen. Unter PC-Software an einer Version laden Sie dafür das Inventar-Skript herunter, führen es einmal auf jedem PC aus und laden die erzeugte Datei hoch:
powershell -ExecutionPolicy Bypass -File .\resilic-pc-inventory.ps1Das Skript liest nur: Windows-Edition und Build (etwa 10.0.17763.6532), Feature-Release, installierte Updates und die Einträge unter Programme und Features. Es sendet nichts über das Netzwerk, ändert nichts und braucht keine Administratorrechte. Es schreibt eine CycloneDX-Datei mit dem Computernamen als Gegenstand.
Hochgeladen erscheint jeder PC mit Windows-Stand und Zahl der Programme; die Programme werden wie SBOM-Komponenten ins Komponentenregister übernommen und gegen die Schwachstellen-Datenbanken geprüft. Ein PC hat je Version ein Inventar: Eine neue Datei desselben PCs ersetzt die alte.
Wo eine Komponente verwendet wird
Abschnitt betitelt „Wo eine Komponente verwendet wird“Unter Komponenten & SBOMs zeigt die Liste Namen in der gelieferten Schreibweise und die Bestellnummer. Die Suche findet eine Komponente auch über Bestellnummer, Version oder Firmware. Ein Klick auf die Zahl der Versionen zeigt, in welchen Produktversionen die Komponente steckt und welche Maschinen bei welchen Kunden sie tragen. Das ist die Antwort, wenn ein Hersteller ein Advisory zu einer Bestellnummer veröffentlicht.
Detaillierungsgrad und SBOM-Typ
Abschnitt betitelt „Detaillierungsgrad und SBOM-Typ“Zu jeder SBOM können Sie festhalten, wie tief sie Abhängigkeiten auflöst und woraus sie entstanden ist — in den Begriffen der BSI TR-03183-2:
- Detaillierungsgrad: Top-Level-SBOM (die direkten Abhängigkeiten), n-Level-SBOM (bis zu einer festen Tiefe), Transitive SBOM (auf jedem Pfad mindestens bis zur ersten externen Komponente), Liefergegenstands-SBOM (mindestens bis zur ersten Komponente außerhalb des Lieferumfangs) oder Vollständige SBOM.
- SBOM-Typ: Design, Source, Build, Analysed, Deployed oder Runtime SBOM — je nachdem, ob die SBOM aus der Planung, den Quellen, dem Build-Prozess, einer nachträglichen Analyse der Artefakte, einem installierten System oder dem laufenden System stammt.
Der Detaillierungsgrad ist immer Ihre eigene Angabe: Er lässt sich aus einer Datei nicht
zuverlässig ablesen, und Resilic prüft ihn nicht gegen den Inhalt. Den SBOM-Typ füllt Resilic vor,
wenn eine CycloneDX-Datei ihre Lifecycle-Phase nennt (design, pre-build, build,
post-build); Sie können ihn jederzeit ändern. Eine neu hochgeladene SBOM beginnt wieder ohne
Angabe. Beide Angaben sind rein informativ — nichts hängt in Resilic davon ab — und erscheinen im
Kunden-Evidenzpaket als Angabe des Herstellers.
Zur Einordnung: Der CRA (Anhang I Teil II (1)) verlangt eine SBOM, die mindestens die Top-Level-Abhängigkeiten abdeckt. Die BSI TR-03183-2 geht für eine SBOM, die der Richtlinie entsprechen soll, weiter — mindestens die Liefergegenstands-Ebene, mit den Informationen, die im Build-Prozess vorliegen. Sie ist eine technische Richtlinie des BSI, keine Vorgabe des CRA. Die Angabe in Resilic ist keine Aussage darüber, ob Ihre SBOM der TR entspricht.
SBOM beim Lieferanten anfragen
Abschnitt betitelt „SBOM beim Lieferanten anfragen“Fehlt Ihnen eine SBOM für eine Komponente oder Version, fragen Sie sie an:
- Wählen Sie an der Produktversion Beim Lieferanten anfragen und geben Sie Name und E-Mail-Adresse des Lieferanten ein.
- Resilic sendet dem Lieferanten einen tokenisierten Upload-Link per E-Mail (und zeigt ihn auch Ihnen, damit Sie ihn direkt teilen können). Der Lieferant benötigt kein Konto: Die Upload-Seite zeigt nur Ihren Organisationsnamen, das angefragte Produkt/die Version und seinen eigenen Namen — sonst nichts.
- Verfolgen Sie Anfragen je Version: wartend, eingereicht, abgelaufen oder widerrufen. Eine wartende Anfrage können Sie jederzeit widerrufen; Links sind einmal verwendbar und laufen von selbst ab.
Lädt ein Lieferant hoch, geht die SBOM nicht automatisch live. Sie prüfen sie und wählen Übernehmen & einlesen — erst dann wird sie zur aktiven SBOM der Version, mit dem Lieferanten als dokumentierter Herkunft. Bis dahin bleibt Ihre zuvor selbst hochgeladene SBOM (falls vorhanden) aktiv.
Eine SBOM ohne Tooling erstellen
Abschnitt betitelt „Eine SBOM ohne Tooling erstellen“Keine SBOM vom Lieferanten — nur eine Stückliste als Tabelle? Erstellen Sie eine in Resilic. Bei
jeder Produktversion ohne SBOM können Sie Komponenten von Hand erfassen (Name, Version,
Lieferant) oder eine CSV-Datei importieren: Datei wählen, in der Vorschau die Spalten den
Komponentenfeldern zuordnen (nur der Komponentenname ist Pflicht — gängige deutsche und englische
Spaltennamen wie Komponente oder Hersteller schlägt Resilic automatisch vor) und importieren.
Nicht lesbare Zeilen werden einzeln mit Zeilennummer gemeldet; der Rest wird trotzdem importiert,
und ein erneuter Import derselben Datei überspringt bereits Erfasstes.
Wenn das Register Ihren Kenntnisstand abbildet, wählen Sie SBOM erstellen (CycloneDX). Resilic erzeugt aus den erfassten Komponenten ein CycloneDX-1.6-Dokument und macht es zur aktiven SBOM der Version — es speist Schwachstellen-Korrelation, Abdeckungs-Badges und den Passport genau wie eine hochgeladene SBOM, und Sie können das Artefakt herunterladen und an Kunden oder Auditoren weitergeben.
Zwei Ehrlichkeitsregeln sind eingebaut. Das Artefakt nennt Resilic als Ersteller — es ist Ihre Komponentenangabe, zusammengestellt aus Ihren Eingaben, nie ein Scan-Ergebnis. Und solange Sie nicht „Die Komponentenliste ist vollständig” ankreuzen, vermerkt die SBOM selbst ihre Zusammensetzung als unvollständig — niemand hält so eine Teilliste versehentlich für ein vollständiges Inventar. Das Register lässt sich jederzeit bearbeiten und die SBOM neu erstellen; erstellte SBOMs tragen als Herkunft das Badge Erstellt.
Signierte SBOMs & Manipulationsschutz
Abschnitt betitelt „Signierte SBOMs & Manipulationsschutz“Jede importierte SBOM speichert den SHA-256-Hash der hochgeladenen Datei — der
Integritätsanker, den Sie jederzeit mit dem Original vergleichen können. CycloneDX-Dokumente mit
eingebetteter Signatur (JSON Signature Format, z. B. via cyclonedx-cli sign) werden beim
Import verifiziert:
- Signiert · Schlüssel hinterlegt — Signatur gültig und passt zum Schlüssel aus der Qualifizierungsakte des Lieferanten. Die stärkste Herkunftsstufe.
- Signiert — kryptografisch gültig, aber kein hinterlegter Schlüssel als Vertrauensanker.
- Signatur ungültig — das Dokument wurde nach dem Signieren verändert oder mit einem anderen als dem hinterlegten Schlüssel signiert. Als nicht vertrauenswürdig behandeln.
Zum Hinterlegen fügen Sie den öffentlichen Schlüssel (PEM) des Lieferanten einmalig in dessen Qualifizierungsakte ein — außerhalb der Plattform ausgetauscht. Resilic verifiziert Signaturen; es signiert selbst keine SBOMs.
Die Original-SBOM herunterladen
Abschnitt betitelt „Die Original-SBOM herunterladen“Jede seit Einführung der Rohdaten-Aufbewahrung importierte SBOM lässt sich byte-identisch wieder herunterladen — eine eingebettete Lieferanten-Signatur bleibt prüfbar, und der erfasste SHA-256 passt zur erhaltenen Datei. SBOM herunterladen finden Sie neben dem Signatur-Badge in der Produktansicht. Vor der Aufbewahrung importierte SBOMs haben kein gespeichertes Original — einmal neu hochladen genügt.
Komponenten-End-of-Life
Abschnitt betitelt „Komponenten-End-of-Life“Jede Komponente kann ein End-of-Life-Datum (EOL) tragen — den Zeitpunkt, ab dem der Lieferant sie
nicht mehr pflegt. Setzen Sie es von Hand an jeder Komponente in der SBOM-Ansicht oder importieren Sie
EOL-Daten aus einer CSV (Spalten purl, end_of_life als JJJJ-MM-TT), um eine ganze SBOM auf einmal
zu füllen — die Zuordnung erfolgt über die Package-URL.
Das früheste Komponenten-EOL ist die stärkste einzelne Einschränkung eines vertretbaren Unterstützungszeitraums: Erreicht eine Komponente ihr End-of-Life vor dem für das Produkt zugesagten Unterstützungszeitraum, markiert Resilic ein Unterstützungszeitraum-Risiko an diesem Produkt und benachrichtigt Sie — sofern abonniert — einmalig per E-Mail. Es ist ein Hinweis zur Bereitschaft, keine harte Sperre: Verkürzen Sie den zugesagten Zeitraum, planen Sie ein Komponenten-Update oder dokumentieren Sie, warum die kürzere Komponenten-Lebensdauer vertretbar ist. Der Hinweis verschwindet automatisch, sobald das Risiko nicht mehr besteht.
Komponenten-Normalisierung
Abschnitt betitelt „Komponenten-Normalisierung“SBOMs von Industrielieferanten sind in der Praxis unordentlich: dieselbe Komponente unterschiedlich benannt, fehlende Identifikatoren, inkonsistente Versionen. Resilic normalisiert jede eingelesene Komponente auf eine kanonische Identität (kanonische PURL, validierte CPE), damit die Korrelation zuverlässig treffen kann — und dedupliziert versionsübergreifend: dasselbe OpenSSL 3.1.0 in fünf Produktversionen ist ein Registry-Eintrag.
Die Normalisierung ist standardmäßig deterministisch. Bei fehlenden oder unscharfen Identifikatoren kann ein KI-gestützter Normalisierer sie auflösen; solche Komponenten sind sichtbar als „KI-normalisiert” gekennzeichnet und können von Ihnen korrigiert werden. Beim Einlesen wird nichts unterschrieben — die menschliche Freigabe erfolgt dort, wo sie zählt: am Artikel-14-Bericht selbst.
Was das ist — und was nicht
Abschnitt betitelt „Was das ist — und was nicht“SBOM-Pflichten sind Pflichten aus CRA Artikel 13 / Anhang I und gelten ab dem 11. Dez 2027 — sie sind nicht Teil der Artikel-14-Meldepflicht, und eine eingelesene SBOM ist keine „Artikel-13-Compliance”. In Resilic ist die SBOM das Erkennungsfundament der Artikel-14-Bereitschaft: Sie erlaubt es, eine CVE zu einer Komponente, eine Komponente zu einer Produktversion und eine Version zu den Maschinen im Feld zurückzuverfolgen.
Namensprüfung
Abschnitt betitelt „Namensprüfung“Jede Komponente im Register wird automatisch gegen eine kuratierte Liste bekannter Paketnamen
geprüft: Ein-Buchstaben-Abweichungen, verwechselbare Zeichen (etwa l0dash) und bekannte Namen
unter einem unerwarteten Paket-Ökosystem — ein typisches Dependency-Confusion-Muster. Eine
markierte Komponente zeigt den Hinweis Namen prüfen mit einer Erklärung. Die Prüfung markiert
zur eigenen Beurteilung; sie blockiert oder verwirft nie eine Komponente, und eine Markierung ist
kein Urteil über Bösartigkeit.
Praxisfall: 450 Maschinen im Feld, keine Software-Stückliste: Wie ein Hersteller in Tagen meldefähig wird – warum die Bestandsflotte vor dem 11. Dezember 2027 keine SBOM-Pflicht hat und die Meldefähigkeit die Stückliste trotzdem braucht.